Firmenblatt: | Bearbeitungsstand: 01.06.2017 |
Die Industriegeschichte Sudenburgs
Firmendaten:
Gründung - Ende: | 1889 - 1948 |
Gründer (in Sudenburg): |
Hermann Farenholtz (* 1847, † 1908) Johann Wilhelm Botho Farenholtz (* 20.05.1852 Goslar/Harz, † 22.07.1915 Magdeburg-Sudenburg) |
Standort(e): | Am Sudenburger Bahnhof (heute Stadtteil Stadtfeld-West) |
Produkt(e): | Speise- und Tafelöle aus Mohn, Sesam und Erdnüssen. Auch für die Margarineproduktion. Neben diesen Ölprodukten produzierte die Fabrik auch Sesam-, Mohn- und Erdnusskuchen. Nach 1922 auch Margarine. |
Bemerkungen: | Eine der ältesten Ölfabriken Deutschlands und nach der Fusion mit Hubbe auch eine der größten. |

[Bildquelle: Sammlung Thomas Garde]
Firmenchronik:
- 1763 - [nach oben]
Johann Christian Farenholtz (1735-1800) gründet in Goslar ein Kolonialwarengeschäft.
[Bildquelle: Jubiläumsheft [2]]
- 1768 - [nach oben]
Farenholz erwirbt zwei wassergetriebene Ölmühlen im Gosetal bei Goslar und handelt erstmals mit Öl und Ölkuchen.
- 1816 - [nach oben]
Sohn Johann Wilhelm Farenholtz (1767-1841) übernimmt in 2. Generation das Unternehmen
und vergrößerte den Betrieb durch den Kauf einer dritten Ölmühle im Gosetal.
Hauptgeschäftszweig ist die Versorgung der Harzer Bergwerke mit Öl aus Raps,
Leinsaat, Mohn und Bucheckern.
[Bildquelle: Jubiläumsheft [2]]
- 1837 - [nach oben]
Gustav Wilhelm Farenholtz (1809-1885), Johann Wilhelms Sohn, übernimmt
in 3. Generation den Betrieb, den er unter seinem Namen weiterführt:
G. W. Farenholtz
[Bildquelle: Jubiläumsheft [2]]
- 1860er - [nach oben]
Der Betrieb stellt wegen der starken Zunahme des Zuckerrübenanbaus
immer mehr von einheimischen auf importierte Ölfrüchte
(ostindischer Mohn, Sesam und Erdnüsse) um.
- 1881 - [nach oben]
Gustav Wilhelm Fahrenholtz übergibt die Firmenleitung 72-jährig an seine Söhne Hermann (1847-1908) und Botho Farenholtz (1852-1915),
die die Firma nun in 4. Generation führen.
- 1889 - [nach oben]
Übersiedlung nach Magdeburg und Firmengründung am Sudenburger
Bahnhof durch Hermann und Botho Farenholtz.
Grund war der technische Fortschritt jener Zeit, die Wasserkraft
wurde durch die effektivere Dampfkraft abgelöst und der Standort
Magdeburg-Sudenburg wegen der Verkehrsanbindung durch Eisenbahn
und Mittelelbe sehr vorteilhaft.
- 1890 - [nach oben]
Das neue Sudenburger Werk nimmt als "Ölfabrik G. W. Farenholtz" die Arbeit auf.
- 1892 - [nach oben]
07.03.: Gründung der "Wilhelmstadt" (heute Stadtteile Stadtfeldt-West und -Ost).
Per Erlaß von Kaiser Wilhelm I. wird am 07.03.1892 der Stadtteil Wilhelmstadt gegründet. Als südliche
Grenze wird die Bahnlinie nach Braunschweig festgelegt.
Obwohl das Fabrikgelände dadurch faktisch zum neuen Stadtteil "Wilhelmstadt" gehört, wird das Werk weiterhin als zu Sudenburg gehörig bezeichnet.
- 1908 - [nach oben]
Hermann Farenholtz verstirbt. Sein jüngerer Bruder Botho Farenholtz führt die Firma alleine weiter.
[Bildquelle: Jubiläumsheft [2]]
- 1912 - [nach oben]
Die Familienvilla wird fertiggestellt..
Botho Farenholtz hatte sie nach einem Entwurf des namhaften Berliner Architekten und einflussreichen Reformtheoretikers Paul Mebes
in der damaligen Duvigneau-Straße 2 (heute Jean-Burger-Straße) in Sudenburg errichten lassen. Die Straße liegt
im Lenné-Viertel, das heute zum Stadtteil Leipziger Straße gehört. Das Gebäude wurde als
wichtiges Zeugnis der Reformarchitektur in Magdeburg nach 1990 unter Denkmalschutz gestellt.
[Quelle: Denkmalverzeichnis der Stadt Magdeburg]
[Bildquelle: Sammlung Thomas Garde]
- 1915 - [nach oben]
Die Blockade während des 1. Weltkrieges brachte
das Werk fast zum Erliegen, da die Importrohstoffe ausblieben. Mit einer bescheidenen Produktion konnte das Werk
über die Kriegszeit gebracht werden. Notgedrungen wurde auf einheimische
Ersatzstoffe zurück gegriffen: Haselnüsse, Kohlrübensamen und Raps.
- 1915 - [nach oben]
Botho Farenholtz verstirbt im Alter von 63 Jahren und wird auf dem Südfriedhof beigesetzt. Sohn Wilhelm-Adolf Farenholtz wird in 5. Generation Geschäftsführer und Alleininhaber der Firma.
[Aufnahme von März 2014]
- 1922 - [nach oben]
Die schlechte Wirtschaftliche Lage des Unternehmens nach dem Weltkrieg führte zur
Fusion mit der ebenfalls in Schwierigkeiten geratenen Magdeburger Ölfabrik
von Hubbe. Beide Unternehmen schlossen sich als oHG und GmbH zusammen
zur Gustav Hubbe - G. W. Farenholtz GmbH, später umbenannt in
Vereinigte Ölfabriken Hubbe und Farenholtz.
Die Verwaltung verbleibt zunächst im Werk Sudenburg. Die Kontoradresse lautet Poltestraße 101 (heute Liebknechtstraße).
- 1922 - [nach oben]
Bei einem Brand werden Teile der Sudenburger Fabrik zerstört.
Anstelle des zerstörten Gebäudes wird eine Margarinefabrik errichtet,
in Zusammenarbeit mit der Fa. Fritz Homann (Dissen). Die Fabrik kann
nun mit den selbst gewonnenen Rohstoffen ein Fertigprodukt herstellen.
[Bildquelle: Jubiläumsheft [2]]
Bildbeschreibung:
Mittig zu sehen die Ölfabrik G.W. Farenholtz. Die dahinterliegende Tierfutterfabrik der Gebrüder Herbst ist größtenteils verdeckt.
Am linken Bildrand ist der Sudenburger Bahnhof zu sehen, links am Horizont die 1921 fertiggestellte
Otto-Richter-Straße. Rechts die heutige Kreuzung Beimssstraße / Liebknechtstraße, dahinter die 1912/13
erbaute Encke-Kaserne.
- 1927 - [nach oben]
Magdeburger Adressbuch 1927 (Handelsregistereintrag):
Gustav Hubbe - G.W. Farenholtz G.m.b.H.,
Stammkapital 2 Millionen Rmk., Poltestraße,
Geschäftsführer: Kflte. Gustav Hubbe u. Wilhelm Farenholtz.
Ges. Prok.: Paul Müller, Walter Burchardt, Felix Warnecke, Dr. Richard Freude u. Gerhard Holland.
- 1932 - [nach oben]
Die Firma entwickelt sich zu einem der größten deutschen
Ölhersteller und zum bedeutendsten Lebensmittelhersteller Magdeburgs.
- 1936/37 - [nach oben]
Das Kontor des Sudenburger Werkes wird in einen Neubau
des Werkes in der Friedrichstadt (Berliner Chaussee) verlegt.
- 1937 - [nach oben]
[Bildquelle: Jubiläumsheft [2]]
- 1945 - [nach oben]
Kriegsende - Amerikaner - Engländer - Russen - Demontage Werk Friedrichstadt - Weiterführung Werk Sudenburg.
06.08.: Verhaftung Wilhelm-Adolf Farenholtz - Deportation nach Mühlberg (NKWD Speziallager I) wo F. am 10.12.1945 ums Leben kommt.
- 1948 - [nach oben]
Das Unternehmen wird enteignet und als VEB Öl- und Fettwerke
Magdeburg weitergeführt, zeitweise mit dem Namenszusatz VEB Hans Schellheimer.
Der VEB hatte in der DDR-Zeit bis zu 1.200 Beschäftigte.
- 1961 - [nach oben]
... Herunterfahren und Stillegung des Betriebsteils Sudenburg ...
Gab es eine Weiternutzung des Geländes?
Wann wurden die Gebäude Abgerissen?
- 1992 - [nach oben]
Liquidation des Unternehmens nach der deutschen Einheit.
Quellen:
- [1] - Heft 78/II/03: Industriearchitektur in Magdeburg - Brauereien, Mühlen, Zucker- und Zichorienindustrie, Stadtplanungsamt Magdeburg, 2003, Seite 187ff
- [2] - Wilhelm Ad. Farenholtz, "1763 - 1938, 175 Jahre, Vereinigte Oelfabriken Hubbe & Farenholtz, Magdeburg, Buchdruckerei A. Wohlfeld, Magdeburg, 1938
Offene Fragen:
- In welcher Weise und wie lange lief die Zusammenarbeit mit der Fa. Fritz Homann? Wurde ein Markenprodukt (Margarine) hergestellt?
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