| Firmenblatt: | Bearbeitungsstand: 08.04.2026 |
Die Industriegeschichte Sudenburgs
Firmendaten:
| Gründung - Ende: | zw. 1905 und 1908 - >=1949 |
| Gründer: | Wilhelm Wirrmann (* 07.01.1867, † 11.03.1934) |
| Standort(e): |
1905 - 1913: Langer Weg 69 1913 - >=1949: Helmstedter Straße 32 |
| Produkt(e): | Landmaschinen |
| Bemerkungen: | Das Unternehmen war spezialisiert auf die Reparatur, den Handel und die Vermietung von Maschinen für die Landwirtschaft.
Zunächst konzentrierte sich die Firma auf Landmaschinen und Lokomobilen der Fa. Garrett Smith & Co. aus Magdeburg. Nach
Konkurs des Herstellers verschwanden dessen Maschinen nach und nach vom Markt und
Wirrmann wurde Magdeburger Vertreter für die Mannheimer Heinrich Lanz AG, die u.a. den legendären "Lanz Bulldog" produzierte. |
[Bildquelle: Sammlung Thomas Garde]
Firmenchronik:
- Vorgeschichte - [nach oben]
Firmengründer Christian Georg Wilhelm Wirrmann wird am 07.01.1867 in Groß Rosenburg, Kreis Calbe,
als Sohn des Bahnmeisters Christof Wirrmann und Ehefrau Friederike, geb. Naunapper,
geboren. Nach der Schulausbildung erlernt Wilhelm den Beruf des Maschinenschlossers. Am 07.04.1894 heiratet er
in MD-Neustadt Luise Willner. Das Ehepaar wohnt in MD-Neustadt, Nachtweide 32. Aus der Ehe gehen
mindestens vier Kinder hervor:
- Sohn Willi Wirrmann, geb 25.04.1895 in MD-Neustadt.
- Sohn Wilhelm Kurt Wirrmann, geb. ca. 1896 in Gernrode am Harz.
- Sohn Otto Franz August Wirrmann, geb. 03.12.1898 in MD-Neustadt.
- Sohn Paul Wirrmann, geb. 02.11.1902 in MD-Neustadt.
In Sudenburg wagt Wirrmann zwischen 1905 und 1908 mit einer Maschinen-Reparatur-Werkstatt den Schritt in die Selbstständigkeit. Das genaue Gründungsjahr ist noch unklar.
- 1905 - 1910 - [nach oben]
1908:
Das Magdeburger Adressbuch 1909 (Datenstand Ende 1908) gibt Auskünfte zur neuen Firma:
Wirrmann, Wilhelm,
ehemaliger Montagemeister der Firma Garrett Smith & Co.,
Maschinen-Reparatur-Werkstatt
Spez.: Dampfmaschinen, Lokomobilen und Dreschapparate,
Ersatz- u. Reserveteile zu allen von Garrett Smith & Co gebauten Maschinen,
Lange Weg 69, Wohn. Fichtestr. 50.I.
Wirrmann spricht mit seinem Know How die Kundschafft seines ehemaligen Arbeitgebers an. Maschinen
von Garrett Smith & Co. waren zu diesem Zeitpunkt sehr viele im Einsatz, also potentiell auch zu reparieren.
- 1912 - Umbenennung [nach oben]
1912 wird aus der "Werkstatt" eine "Maschinenfabrik": [Adr1913]
Maschinenfabrik Wilhelm Wirrmann,
Langer Weg 69,
Inh. Wilhelm Wirrmann
Info: Es ist nicht bekannt, ob die Firma als "Maschinenfabrik" eigene Produkte hergestellt
hat. Ein eigener Markenname ist nicht überliefert. Man beschränkte sich wahrscheinlich auf die
Herstellung von Ersatzteilen und die Reparatur von Dampf- und Landmachinen.
- 1913 - Umzug in die Helmstedter Straße 32 [nach oben]
Vom beengten Hinterhof im Langen Weg 69, zieht die Fabrik 1913 auf das größere Gewerbegrundstück Helmstedter Straße 32 um,
auf dem der Grundstückseigentümer von 1881 bis 1898 bereits seine Maschinenfabrik Eduard Haenel betrieben hatte.
Wirrmann teilt sich als Mieter das Grundstück mit mehreren dort bereits ansässigen Kleinbetrieben.
Neuer Firmeneintrag:
Maschinenfabrik Wilhelm Wirrmann,
Helmstedter Str. 32,
Inh. Wilhelm Wirrmann
Auch die Familie Wirrmann zieht in diesem Zusammenhang erneut um, in eine Mietwohnung im Erdgeschoss des Hauses Lutherstr. 27.
[Adr1914]
- 1919 - [nach oben]
Sohn Willi Wirrmann, inzwischen volljährig und zum Kaufmann ausgebildet, tritt in die väterliche
Firma ein. Zunächst erhält er gemeinsam mit dem Kaufmann Curt Schröder Gesamtprokura.[Adr1920]
Nach knapp dreijähriger Einarbeitungszeit, wird er 1922 alleiniger Prokurist.[Adr1923]
Angebotene Leistungen der Maschinenfabrik im Jahr 1919:
[Bildquelle: Sammlung Thomas Garde]
- 1925 - [nach oben]
1919 lag der Schwerpunkt weiterhin auf der Reparatur von Maschinen der Firma Garrett Smith & Co., die
mit der Zeit immer weniger wurden. Ein neuer Schwerpunkt musste her. Zwischen 1920 und 1925 fand die
Maschinenfabrik Wilhelm Wirrmann ein neues Standbein, sie wurde Magdeburger Vertretung des Landmaschinenherstellers
Heinrich Lanz, Mannheim.
[Quelle: Landwirtschaftliche Wochenschrift * 28. Januar 1925 * Heft 4
Amtsblatt der Landwirtschaftskammer
für die Provinz Sachsen und Anhalt]
- 1928 - [nach oben]
[Bildquelle: Sammlung Thomas Garde]
Das im Briefkopf angegebene Gründungsjahr 1904 der Firma ist zu hinterfragen. Die anfängliche "Reparaturwerkstatt"
wurde wahrscheinlich erst nach dem Konkurs der Maschinenfabrik Garrett Smith & Co. gegründet, zwischen 1905 und 1908.
- 1929 - Erwerb des Firmengeländes [nach oben]
1929 verkauft die Familie Haenel das Gewerbegrundstück, das in diesem Zusammenhang geteilt wird.
Den Grundstücksteil an der Sudenburger Wuhne (Nr. 32a) kauft J. G. Metzler, der darauf eine Farbenfabrik
betreibt. Das Restgrundstück, Standort der Maschinenfabrik, erwirbt Wilhelm Wirrmann. Es führt weiterhin
die Bezeichnung Helmstedter Straße 32. [Adr1930]
- 1934 - [nach oben]
Wilhelm Wirrmann verstirbt am 01.03.1934, im Alter von 67 Jahren.
Weitergeführt wird die Firma von den Söhnen Willi Wirrmann (Kaufmann) und Otto Wirrmann (Ingenieur), die
im Handelsregister als persönlich haftende Gesellschafter geführt sind. [Adr1935]
- 1942 - [nach oben]
Bis Kriegsende 1945 sind die Firmenverhältnisse wohl stabil und Fa. Wilhelm Wirrmann ist weiterhin Vertretung der Firma Lanz.
Eine Übersicht (Stand Ende 1942) liefert das Magdeburger Adressbuch 1943, das letzte vor Kriegsende:
Wirrmann, Luise, Witwe., Lutherstraße 27
Wirrmann, Otto, Ingenieur, Westendstraße 3 Erdg. f. Maschinenfabrik Wilhelm Wirrmann (heute Klausenerstr.)
Wirrmann, Willi, Kaufmann, Halberstädter Str. 82 E., f. Maschinenfabrik Wilhelm Wirrmann
Handelsreg.:
Maschinenfabrik Wilhelm Wirrmann,
Helmstedter Str. 32,
Pers. haft. Ges. Kfm. Willi Wirrmann u. Ing. Otto Wirrmann
Willi und Otto Wirrmann sind auch Grundstückseigentümer der Helmstedter Str. 32.
Luise Wirrmann, Witwe des Firmengründers und Mutter von Willi und Otto Wirrmann verstirbt am
01.02.1944 im Alter von 76 Jahren in Sudenburg.
- 1949 - [nach oben]
Wie es nach Kriegsende mit der Firma weitergeht, ist unklar. Zumindest bis zur DDR-Gründung
könnte es weitergegangen sein.
Folgende Einträge finden sich im letzten Magdeburger Adressbuch für 1950/51:
Eintrag Helmstedter Straße 32:
Wirrmann, W., Landw. Maschinen.
Anm.: Es ist kein Eigentümer des Grundstücks genannt, was sonst üblich ist.
Eine Enteignung ist hier also nicht auszuschließen.
*Wilhelm Wirrmann
*Helmstedter Straße 32
*Inh. Willi und Otto Wirrmann
Wirrmann, Otto, Ing., Klausenerstr. 3
Wirrmann, Willi, Kfm., Halberstädter Straße 82
Die Angaben im Adressbuch sind dürftig. Ob die Firma noch weiter betrieben wurde, ist unklar.
Der Begriff Maschinenfabrik taucht im Adressbuch nicht mehr auf.
Zwar sind Otto und Willi Wirrmann noch verzeichnet, aber es ist nicht klar, ob sie sich noch in Magdeburg befinden.
Die Geschäftsgrundlage, die Vertretung der Firma Lanz, dürfte infolge der Deutschen Teilung entfallen sein.
Der Weg von Willi Wirrmann verliert sich hier. Ingenieur Otto Wirrmann geht in den Westen und verstirbt
am 27.12.1967 in Mannheim-Rheinau. Der Sterbesort Mannheim, Standort der Firma Lanz, ist wohl kein Zufall.
Wahrscheinlich hat Otto Wirrmann weiter im Lanz-Umfeld gearbeitet.
- heute - [nach oben]
Am Standort Helmstedter Straße 32 erinnert heute nichts mehr an die Fabriken. Die Gebäude der
Maschinenfabrik Wilhelm Wirrmann (Nr. 32) und der Farbenfabrik J. Gustav Metzler (Nr. 32a) wurden
abgerissen und das Areal nach 1990 komplett neu bebaut.
Quellen:
- [1] - Heft 46/I/99: Sabine Ullrich, Industriearchitektur in Magdeburg - Maschinenbauindustrie, Stadtplanungsamt Magdeburg, 1999.
- [Adr????] - Magdeburger Adressbücher 1904 - 1950/51.
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